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Auf zu den Wikingern!

  • lavieenroute
  • 8. Aug. 2023
  • 4 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 11. Aug. 2023

18 windige Inseln im Nordatlantik, weit weg von allem, bewohnt von signifikant mehr Schafen als Menschen. Was für ein wunderbarer Ort für ein Sommer-Abenteuer.


280 Regentage im Jahr, durchschnittliche Höchsttemperaturen im Sommer von 12 oder 13°C, Wind überall. Wer einen gemütlichen Strandurlaub verbringen möchte, macht sich am besten auf den Weg in andere Himmelsrichtungen. Für alle anderen sind die Färöer Insel ein einprägsames Reiseziel der Extraklasse.

Bereits die Landung am Vágar Airport kündigt es an: Die Grenzen zwischen Land, Wasser, Nebel und Schaf verschwimmen hier. Die Cockpit-Crew muss nervenstark sein, denn aus der Kabine ist weit und breit keine in Sicht, das einem Flugzeug Raum zur Landung bieten würde.

Und doch treffen Fluggäste tatsächlich ein modernes Terminal an, das ihnen alle Services bietet. Schnell ist der Mietwagen parat, der uns über die nächsten Tage begleiten wird. Wir lassen den Nebel Vágars hinter uns, durchqueren flink die ersten Tunnel und sind ein wenig überfordert mit der grasgrünen Farbintensität der sonnigen Momente. Und plötzlich breitet sie sich unter uns aus, die kleine Hauptstadt Tórshavn.

Auf diesem Bild verbirgt sich eine Hauptstadt
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Es dauert einen Moment, bis sich die Wahrnehmung anpasst und bis man auch versteht, dass dem Schaf eine bedeutende Rolle auf den Inseln zukommt. Nicht zuletzt im Strassenverkehr, denn die allgegenwärtigen braunen, beigen und schwarzen Flecken sind eindeutig keine Felsen, sondern die wolligen Herrschenden der Landstrasse, die keinen Zweifel daran lassen, wer zuerst hier war. Tiefenentspannung und Todesmut liegen beim Schaf nah beieinander.

Ein neugieriger Inselbewohner


Unterwegs sein. Auf den Färöer-Inseln bedeutet das, Zeit auf der Strasse zu verbringen. Wer möchte, nutzt das sehr gut ausgebaute Busnetz. Wer unabhängiger sein möchte, fährt selbst. Fast alle bewohnten Inseln sind gut erreichbar, entweder über Brücken, Unterwassertunnel oder Fähren. So gelangt man auch an abgelegene Orte, und das in erstaunlich wenig Zeit, denn die Entfernungen halten sich in Grenzen. Daher haben wir uns für unsere Färöer-Woche in der Hauptstadt Tórshavn einquartiert und von dort aus alle möglichen Richtungen erkundet.

Spektakuläre Küstenlandschaften
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Die reiche Geschichte der Inselnation entdecken wir in historischen Dörfchen, teils als Museum geführt, teils unverändert bewohnt. Kirkjubøur beispielsweise war einst das spirituelle Zentrum der Färöer und ist heute Besuchern zugänglich - gar nicht weit von Tórshavn gelegen. Etwas weiter vom Schuss liegt Gásadalur, bekannt durch einen sehr fotogenen Wasserfall, den Mulafossur. Vor allem beim inseltypischen etwas verhangenen Regenwetter liegt eine verwunschene Atmosphäre über dem Dorf und der Landschaft.

Seit 2003 über eine Strasse erreichbar: Gásadalur
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Mit dem Auto die Färöer-Inseln zu erkunden bringt einen also relativ schnell auch ion entlegenere Gebiete. Bewusst sein sollte man jedoch - abgesehen von der Vormachtstellung des Schafs - auch über die Besonderheiten der lokalen Strassentunnel. Einige von ihnen sind sehr gut ausgebaut, mautpflichtig und künstlerisch gestaltet. Andere sind eher nüchtern. Das heisst konkret: einspurig, lang und unbeleuchtet. Bei entgegenkommendem Verkehr gilt es, Haltebuchten anzusteuern, das Licht auszuschalten und zu warten, bis andere Fahrzeuge vorbeigefahren sind. Vorfahrt à la Färöer.

Tunnel auf den Färöer Inseln: Optimismus trifft Mut trifft Entschlossenheit trifft Rücksicht
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Natur. Schafe. Wasser. Weiter Himmel. Und mittendrin eine rund 13'000 Einwohner*innen zählende Hauptstadt, Tórshavn. Wer Kopenhagen kennt, fühlt sich vielleicht am Hafen ein wenig daran erinnert was auch nicht weiter überrascht, schliesslich sind die Färöer-Inseln ein autonomer Bestandteil des Dänischen Königreiches. Viel zu bieten hat Tórshavn jedenfalls angesichts seiner Grösse durchaus - zum Beispiel eine lebendige Restaurant-Szene, öffentliche Live-Konzerte an Sommerabenden, eine erstaunlich vielseitige Mall oder ein Regierungsviertel zum Anfassen. Die Wege sind nie weit und dank der nördlichen Lage sind die Sommerabende lang.

Summer in the (little) city - und Draussensitzen ist eine Option
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Wie viele nordische Nationen haben auch die Färöer-Inseln eine lange demokratische Tradition, und die Geschichte ihres Parlaments beginnt bereits im Jahr 900., also bereits zu den Zeiten der Wikinger! Und auch heute noch ist das politische Leben in Tórshavn sehr lebendig. Die Eröffnung des Løgting - so heisst das Parlament -fällt jedes Jahr auf den Nationalfeiertag, den Olafstag oder Ólavsøka. Das heisst, gleichzeitig findet auch ein grosses Volksfest statt, das mehrere Tage lang dauert - ein würdiger Rahmen für eine Demokratie.

Ganz nah dran: Das Parlamentsgebäude und verschiedene Ministerien
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Für Foodies haben die Färöer einiges zu bieten. Weit über die Inseln hinaus bekannt ist das Restaurant Koks, mit zwei Michelin-Sternen dekoriert - und zum Zeitpunkt unserer Reise leider geschlossen. Doch Tórshavn hat uns entschädigt. Hervorheben wären vor allem zwei Adressen, nämlich das ROKS und das Restaurant Katrina Christiansen. Beide bieten nordische Küche comme il faut, wenn auch auf ganz andere Art. Das ROKS zeigt sich wild, unkonventionell, nonchalant auch im Service. Bei KC ist die Erfahrung eine Spur traditioneller, sehr gemütlich, aufmerksam und fein. Beide Restaurants machen Freude und erlauben einen Rundumblick in die kulinarische Tradition der Färinger.

Was es uns darüber hinaus angetan hat, ist eine Möglichkeit, mit den Locals in Kontakt zu kommen und gleichzeitig die einfachere Landesküche zu erleben. Das Konzept heisst "heimablídni" und lässt sich in etwa mit "Gastfreundschaft daheim" übersetzen. Der Name ist Programm: Man lädt sich sozusagen bei einer Familie zuhause ein, bezahlt etwas für das Essen und erhält dafür fast intime Einblicke in die lokale Lebensweise. Es ist beeindruckend, wie offen wir bei "unseren" Gastgebern in der Nähe von Tórshavn empfangen wurden und wie unverkrampft wir miteinander essen, lachen und diskutieren konnten - auch über kontroverse Themen wie die Walfangtradition auf den Färöern. Nach wie vor empfinden wir dieses blutige Spektakel als erschreckend.

Eintauchen in die Kultur: Heimablídni sind ein echter Begegnungsort - in unserem Fall sogar mit Aussicht
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Gut zu wissen

La vie en route war im Sommer 2022 auf den Färöer Inseln unterwegs. Wir sind über Kopenhagen zum Vágar Airport gereist, zunächst mit der Swiss, dann mit der Fluglinie der Färöer Inseln, Atlantic Airways.

Unser Mietwagen kam vom lokalen Anbieter RentYourCar, soweit hat alles unkompliziert geklappt.

Während der gesamten knappen Woche haben wir das Hotel Føroyar als Basis genutzt. Es liegt oberhalb von Tórshavn mit tollem Blick über die Stadt und Bucht. Wer früher bucht als wir, hat jedoch vielleicht die Chance, eine noch persönlichere Unterkunft in der Hauptstadt zu finden. Gefehlt hat uns jedoch nichts.

Die im Artikel erwähnten Restaurants ROKS und Kristina Christiansen sind definitiv einen Besuch Wert. Das grösste Erlebnis bietet aber sicher ein Besuch bei den Locals. Die Familien, die "heimablídni" anbieten, sind auf dieser Website verzeichnet.


 
 
 

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