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Grosses Kino

  • lavieenroute
  • 16. Dez. 2025
  • 4 Min. Lesezeit

Laut, lebendig, manchmal widersprüchlich: Zwischen Kontinenten, Kebabs, Katzen und Kontrasten wird Istanbul niemanden kalt lassen.

 
Wenn über 15 Millionen Menschen in einer Stadt zuhause sind, wird dieser Ort kaum je Langeweile ausstrahlen. Wenn diese Stadt das kulturelle, wirtschaftliche, intellektuelle und vielleicht auch emotionale Zentrum ihres Landes ist, wird das Leben darin blühen. Wenn ihre Strassen der Lebensraum erstaunlich freundlicher Katzen und Hunde ist, wird deren gelassene Präsenz auch auf die Menschen abstrahlen. Und wenn dieser Ort auch noch auf zwei Kontinenten und am Wasser liegt, strahlt er so viel Charakter aus, dass es kaum zu glauben ist.
 
Istanbul ist ein Reiseziel, auf das man nicht gefasst sein kann und das auf Besuchende sehr unterschiedlich wirken kann. Manche mag der schnelle Takt der Stadt überfordern, andere werden es angesichts ihrer Grösse anspruchsvoll finden, sich zu orientieren. Ziemlich sicher jedoch wird Istanbul alle Reisenden berühren. Vor allem, wenn man im bunten Durcheinander einfach mitmacht.

Nur eine Brücke von Asien entfernt.
 

Am besten geht das, wenn man sich mit der lokalen Küche beschäftigt, denn Istanbul zeigt seine Zuneigung (unter anderem) durch den Magen. Wer abenteuerlustig ist, kann sich einer geführten «Food Tour» anschliessen, die die Grenzen der Geschmacksnerven der Teilnehmenden langsam verschiebt – ein wunderbares Erlebnis mit vielen spannenden Einsichten zu Stadt und Land, weit über die Küche hinaus.
 
Wer noch abenteuerlustiger ist, erkundet die Küche der Stadt auf eigene Faust. Als Leitplanke gilt, wie überall südlich der Alpen, dass es einige relativ treffsichere Kriterien gibt, wie man an Äusserlichkeiten die authentischen Orte erkennt. Zum Beispiel über die Ohren: mehr türkische Sprache, mehr echte Küche. Neonlicht, ein laufender Fernseher und ein Cola-Kühlschrank sind weitere Merkmale. Und bei Unsicherheiten zeigen sich die Menschen Istanbuls von ihrer hilfsbereiten Seite – mit Sicherheit wird niemand hungrig wieder abreisen.
 
Seit über 8000 Jahren leben Menschen im Gebiet der heutigen Stadt Istanbul. Ausgrabungen haben Spuren von Besiedlung aus der neolithischen Zeit gefunden, die etwa aus der Zeit bis zu 6500 v. Chr. stammen. Doch für die heutigen markanten Landmarks muss man nicht so tief graben: Moscheen, Paläste, Museen und überall Wasser. Auch wir haben die Blaue Moschee und der Hagia Sophia ausgiebig besichtigt und dabei viel über Istanbuls Geschichte gelernt. Und dabei sogar Spuren eines Wikingers entdeckt (nein, kein Scherz).

Eine Stadt, die alles schon einmal gesehen hat.
 
Die wahre Attraktion Istanbuls besteht jedoch vielleicht nicht aus Beton oder Marmor. Das Highlight ist die Stadt selbst. Wenn man am Bosporus steht und aufs Wasser blickt. Wenn man realisiert, dass die andere Seite auch ein anderer Kontinent ist. Wenn man die Geräuschkulisse der Megacity auf sich wirken lässt und feststellt, dass kaum ein Kinofilm so einen Unterhaltungswert bietet. Wenn wieder eine Katze an einem sehr unerwarteten Ort plötzlich ins Bild kommt und ein wenig Aufmerksamkeit erwartet.
 
Istanbul ist grosses Kino, überall und jederzeit. Klar ist auch, dass eine Stadt dieser Grösse nicht ohne Probleme sein kann, doch scheint es uns Besuchenden auch, dass es hier nichts gibt, was man in den letzten 8000 Jahren nicht irgendwie überstanden hat.
 
Und so reist man aus Istanbul nach ein paar Tagen wieder ab und fühlt sich aus dieser wunderbaren Stadt viel zu früh herausgerissen, denn wahrscheinlich könnte man sich über sehr lange Zeit mit den verschiedenen Stadtvierteln, Museen, Palästen und vor allem Menschen beschäftigen. Der Wiederholungsfaktor ist jedenfalls sehr hoch, denn dieser magische Ort, irgendwo zwischen West und Ost, stimmt uns auf seine ganz eigene Art ein bisschen hoffnungsvoll. Danke, Istanbul – bis bald!

 
Gut zu wissen
 

Aus dem deutschsprachigen Raum gibt es zahlreiche Flugverbindungen nach Istanbul, aus Zürich zum Beispiel fliegen Turkish Airlines oder Pegasus mehrmals am Tag. Zwei Flughäfen stehen zur Auswahl. Einerseits gibt es den neu eröffneten Istanbul Airport (IST), der riesig ist und relativ weit ausserhalb liegt, jedoch gut funktioniert. Bis in die Innenstadt dauert es mit Auto oder U-Bahn etwa eine Stunde. Die U-Bahn-Linie ist neu gebaut und absolut problemlos zu nutzen. Der andere Flughafen, Sabiha Gökcen (SAW), liegt im asiatischen Teil der Stadt und wir vor allem von Low-Cost-Airlines angeflogen. Wir waren nicht dort, aber haben vernommen, dass dieser Flughafen chronisch überfüllt sei.
 
Auf dem Landweg ist die Anreise grundsätzlich auch möglich, braucht jedoch etwas Zeit und Abenteuerlust. Mit Zug und Bus sind ab Zürich etwa 40 Stunden reine Fahrzeit einzuplanen. Mit dem Auto ist die Strecke etwa 2200 m lang, das entspricht etwa 23 Stunden Fahrzeit zum Beispiel über Österreich, Slowenien, Kroatien, Serbien und Bulgarien.
 
Unterkünfte gibt es in Istanbul in schwer überschaubarer Menge und in allen Preislagen. Wir sind im eleganten Stadtteil Nisantasi im Westin Hotel untergekommen, das perfekt an die U-Bahn-Station Osmanbey angebunden ist und in Gehweite zum zentralen Taksim-Platz liegt.
 
Restaurants, Cafés und Bars gibt es ebenfalls in riesigen Mengen. Uns sind folgende Orte im Gedächtnis geblieben:
 
  • Café Yüzde: Preisgünstig, fein und stark von den Locals frequentiert – von Dürüm bis zu tollen Desserts gibt es eigentlich alles, was schnelles türkisches Essen auszeichnet.
  • Casius: Ein schönes Restaurant mit frischen Gerichten, auch mit guter vegetarischer Auswahl.
  • Salon Galata: Mittendrin und doch ruhig, sehr angenehmer Lunch Spot.
  • Degirmecioglu: Einfaches und gutes Streetfood im Buffet-Stil und vom Grill, günstig und sehr typisch in einer Seitenstrasse zwischen der Hagia Sophia und dem Grossen Bazar gelegen.
  • Viele weitere spannende Orte gibt es auf einer Food-Tour von Yummy Istanbul zu entdecken – ein kleines, geführtes Abenteuer, das wir sehr spannend fanden.
 
Was Museen und andere Sehenswürdigkeiten angeht, kann man sich in Istanbul lange Zeit beschäftigen. Die bekannte «Blaue Moschee» ist sehenswert, und natürlich auch die nebenan gelegene Hagia Sophie. Nicht weit davon entfernt lohnt sich ein Stopp in der Yerebatan-Zisterne, auch als «Versunkener Palast» bekannt. Der Eintritt ist nicht billig, die einzigartige Stimmung entschädigt jedoch dafür. Besonders gut gefallen hat uns das Museum für Moderne Kunst namens Istanbul Modern, das sehr interessante Einblicke in die zeitgenössische Kunst der Türkei bietet und ganz nebenbei auch einen tollen Blick über den Bosporus bereithält.
 
Was Reisende sonst noch wissen sollten: Katzen und teilweise auch Hunde sind in den Strassen Istanbuls allgegenwärtig. Vor allem Katzen erscheinen an den erstaunlichsten Orten, auch in den Restaurants oder in Geschäften. Die Locals gehen im Allgemeinen sehr gelassen und freundlich mit den Tieren um, manche engagieren sich auch sehr aktiv für sie. Menschen mit Allergie sollten sich einfach darauf einstellen.

Eine Metropole im Besitz der Samtpfoten.

 
 
 

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