Der tiefe Westen
- lavieenroute
- 21. Sept.
- 3 Min. Lesezeit
«Tief im Westen, wo die Sonne verstaubt, ist es besser, viel besser als man glaubt.»*
Dortmund, Essen, Bochum, Duisburg, Recklinghausen, Gelsenkirchen & Co. Zusammen haben diese Städte, die das Ruhrgebiet bilden und die häufig ineinander übergehen, über 5 Millionen Bewohnende. Mehr als die deutsche Hauptstadt Berlin also, und doch ist dieser beträchtliche Ballungsraum kaum als Reiseziel im Gespräch.
Dabei gibt es unglaublich viel zu entdecken. Zum Beispiel den durch aus etwas spröden Charme der Grossstadt Dortmund, die wir für unsere Entdeckungstour als Basis ausgesucht haben. Dortmund präsentiert seinen Reiz auf den zweiten Blick. Mit einer Innenstadt voller Strassen-Kneipen zum Beispiel. Mit einem markanten ehemaligen Industriegebäude, dem «Dortmunder U», das zum Wahrzeichen geworden ist. Mit Murals, die diese Bezeichnung wirklich wert sind. Mit viel Gelassenheit.
Freundliches Willkommen: Mural in Dortmund.

Was sich unter den Reisenden ebenfalls noch wenig herumgesprochen hat, ist das Kulturangebot in der Region. Beispielsweise das Gelände der Zeche Zollverein in Essen. Was bis 1986 ein Steinkohlebergwerk war, ist heute im Wesentlichen ein Museums-Campus und renaturierter Park, dessen bemerkenswerte Architektur erhalten geblieben ist. Die Zeche Zollverein zählt übrigens auch zum UNESCO Welterbe, unter anderem als Beispiel für den Wandel einer Industrieregion hin zu einer Kulturregion.
Zeche Zollverein: Bleibende Architektur, neu mit extralanger Rolltreppe.

Neben den zahlreichen Museen zeigt sich das Erbe des Ruhrgebiets deutlich in der Landschaft. Einerseits sieht man auch heute noch dampfende Schornsteine. Raffinerien etwa, oder auch Chemiefabriken. Andererseits wurden viele ehemalige Landschaftsnarben schlicht und einfach zur Kunst. Besonders sehenswert sind die Werke namens «Tetraeder» und «Tiger & Turtle» in Bottrop bzw. Duisburg, die auf ehemaligen Schutthalten entstanden sind – denn in ihren jeweiligen Umgebungen sind sie absolut überraschend und auf ihre Weise absolut spektakulär.
Ein Tiger und eine Schildkröte. Wie man sieht.

Die Städte des Ruhrgebiets sind sicher weniger malerisch als anderswo, Recklinghausen wird sicher nicht so schnell zum Heidelberg. Doch ihren Reiz haben sie ohne Zweifel. Auch für Foodies: Für sie empfiehlt sich die omnipräsente und sehr empfehlenswerte Currywurst, die selbstverständlich auch in vegetarischen Varianten zu haben ist. Und das multikulturelle Ruhrgebiet ist nicht nur kulinarisch gesehen sehr bereichernd.
Wer also sollte ins Ruhrgebiet reisen? Alle mit Entdecker*innengeist, die gern die überlaufenen Reiseziele Deutschlands meiden oder eine ganz andere Seite des Landes kennenlernen wollen, die es im letzten Jahrhundert sehr geprägt hat. Es bleibt daher zu hoffen, dass sich die jüngsten politischen Entwicklungen und der Vormarsch extremer Strömungen nicht fortsetzen. Denn es gibt viel zu sehen, hier, wo das Herz noch zählt.*
(*Zitate aus dem wunderbaren Song «Bochum» des grandiosen Herbert Grönemeyer.)
Gut zu wissen
Das Ruhrgebiet ist ein grosser Ballungsraum, der verschiedene Flughäfen hat und dessen Grossstädte auch mit dem Zug sehr gut angebunden sind. Wir sind über den Flughafen Düsseldorf gereist, der nur rund 20 km von Duisburg, der westlichsten Grossstadt des Ruhrgebiets, entfernt ist. Hierher gibt es aus der Schweiz mehrere Flüge am Tag. Würde man mit Zug oder Auto anreisen, sollte man etwa 6-7 Stunden einrechnen (ausgehend von der Strecke Zürich-Duisburg).
Innerhalb des Ruhrgebiets sind die Entfernungen überschaubar. Viele Sehenswürdigkeiten liegen entlang der Achse Duisburg-Dortmund; diese Städte sind etwa 60 km voneinander entfernt.
Wir haben Dortmund als Ausgangspunkt für unseren Aufenthalt gewählt und sind im Residence Inn by Marriott untergekommen, das uns mit grossen sauberen Zimmern, einer sehr zentralen Lage und einem recht robusten Preis-Leistungs-Verhältnis überzeugt hat.
Das Ruhrgebiet ist keine typische Foodie-Destination, trotzdem gibt es einige Adressen vor allem in Dortmund, die uns im Gedächtnis geblieben sind, zum Beispiel:
Wurst Willi für die klassische Kombination Currywurst-Pommes;
Emil, eine feine Adresse, direkt im Dortmunder U;
Wenkers am Markt, mittendrin in der Dortmunder Innenstadt mit Aussenplätzen und rustikaler Küche.



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