Eine Stadt in allen Farben
- lavieenroute
- 7. Sept.
- 3 Min. Lesezeit
Bekannt ist die grösste Stadt Belgiens vor allem für den Diamantenhandel. Doch an unserem Augustwochenende ist es Antwerpen selbst, das uns anstrahlt und funkelt. Denn vieles haben wir so einfach nicht erwartet in der Metropole der Provinz Flandern.
Da wäre beispielsweise die prachtvolle Architektur. Wer sich zum zentralen Platz Antwerpens begibt – bekannt als der «Groete Markt» – ist umgeben vom prächtigen Rathaus, hoch aufragenden Zunfthäusern und einem vielleicht ein klein wenig übertriebenen Brunnen. Dreht man sich um, erhebt sich der 120 Meter hohe Turm der Liebfrauenkathedrale. Geht man ein Stück weiter, werden die Gassen enger, und die Strassencafés, verwinkelten Ecken und grün umrankten Plätze werden häufiger.
Der Groete Markt in der Abendsonne.

Belgien ist ausserdem eine Reise wert, weil es auch ein Foodie-Paradies ist. Nicht nur Pommes Frites sind hier eine ernste Angelegenheit und das Resultat guten Handwerks, auch andere traditionelle Gerichte machen die lokale Küche sehr spannend. Beispiele? Stoofvlees, die lokale Interpretation von Gulasch, selbstverständlich auf Bier-Basis, schliesslich ist man in Belgien. Garnaaltomaat, eine mit Garnelen gefüllte Tomate. Oder natürlich Waffeln, am besten frisch.
Was Antwerpen auch ist, ist eine Stadt am Wasser. Nach Rotterdam beispielsweise liegt hier der zweitgrösste Hafen Europas, und auch die allergrössten Frachtschiffe können diesen Hafen nutzen – trotz der Tatsache, dass der Fluss namens Schelde ein Gezeitenfluss ist, also mal einen höheren, mal einen weniger hohen Pegelstand führt. An der Schelde kann man nicht nur gemütlich entlangspazieren, es gibt auch einen Fussgängertunnel, der mit historisch schön erhaltenen Holzrolltreppen erschlossen ist.
Wie man unter Wasser trocken bleibt.

Und worauf wir ausserdem nicht vorbereitet waren, war die Antwerpen Pride, die an unserem Reisewochenende stattgefunden hat – gemäss Berichten die grösste Parade und Party dieser Art, die in Antwerpen bislang stattgefunden hat. Trotz lauter Musik und über 160'000 Menschen in der Parade und im Publikum war die Stimmung in der Stadt friedlich und von einer zumindest aus unseren Augen selbstverständlichen Vielfalt geprägt, die Antwerpen sehr gut zu Gesicht steht.
Für wen also ist Antwerpen ein geeignetes Reiseziel? Sicher für alle, die sich überraschen lassen wollen – denn Antwerpen mag nicht die typische Wochenend-Destination sein, aber man darf sich schon fragen, warum nicht. Denn Foodies kommen genauso auf ihre Kosten wie geschichtlich und kulturell Interessierte. Und auch für eine Riesenparty ist sich Antwerpen nicht zu schade. In allen Farben des Regenbogens und darüber hinaus.
Gut zu wissen
Antwerpen ist hervorragend an die europäische Verkehrsinfrastruktur angeschlossen. Es liegt zum Beispiel direkt an der Zugstrecke von Paris nach Amsterdam und ist von beiden Städten aus sehr leicht erreichbar. Aus der Schweiz ist mir einer Zugfahrt von etwa 8 oder 9 Stunden zu rechnen, entweder via Paris oder Köln. Wer lieber fliegt, kann in etwas mehr in einer Stunde von Zürich aus in Brüssel sein und dort in den Zug steigen – der Transfer nach Antwerpen dauert rund eine halbe Stunde. Natürlich lässt sich Antwerpen auch mit dem Auto ansteuern, die ca. 700 km sind in gut sieben Stunden zu bewältigen.
Antwerpen ist kein massentouristisch geprägtes Ziel – zum Glück. Doch das bringt auch mit sich, dass die Unterkünfte etwas weniger breit gestreut sind als in vergleichbaren europäischen Städten. Wir haben dieses Mal ausnahmsweise praktisch gedacht und sind im NH Collection Antwerp Centre untergekommen, das direkt neben dem Bahnhof liegt. Die Zimmer sind solide, relativ neu und je nachdem, in welche Richtung sie zeigen, auch sehr ruhig. Erwähnenswert ist das sehr schöne und umfangreiche Frühstücksbüffet.
Belgien-typisch zeigt sich Antwerpen auch sehr offen für Hungrige. Uns in Erinnerung geblieben sind folgende Adressen:
Frituur No. 1 gleich neben dem Rathaus: Pommes Frittes auf die belgische Art – frisch zubereitet und mit einer breiten Auswahl an Saucen;
Restaurant De Bomma nah am Fluss gelegen: Hier steht die typische flämische Küche im Mittelpunkt – um leichte Küche geht es hier nicht;
Ultimatum Food Bar: Kein Ort für kulinarische Wunder, doch die Lage am Groete Markt ist unbeschreiblich und lädt zu einer ausgedehnten Kaffeepause ein, mitten im Gewusel.
Allein dafür lohnt sich vielleicht die Reise.




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